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Geschichte

Am 26. November 2008 wurde unter Beteiligung des Präsidenten der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, Herrn Prof. Dr. Hans Wisskirchen, in Bonn der erste Ortsverein der Gesellschaft gegründet.

Derzeit hat der Verein 69 Mitglieder.

 

2009

Mit einem Vortrag von Prof. Dr. Hermann Kurzke zu "Der gläubige Thomas. Glaube und Sprache bei Thomas Mann" wird am 12. Januar 2009 das Jahresprogramm des BonnKölner Ortsvereins der Thomas Mann Gesellschaft eröffnet.

In dem gut besuchten Festsaal der Universität Bonn stellt Professor Kurzke nach eigenen Worten die Quintessenz seiner jahrelangen Forschungen zu dem Themenkomplex "Thomas Mann und Religion" vor und entwickelt einen faszinierenden neuen Blickwinkel auf die Bedeutung des Glaubens im Werk Thomas Manns. Einen Artikel des Bonner General-Anzeigers zu dem Vortrag können Sie in unserem Pressearchiv lesen. Außerdem ist der Vortrag in der ersten Broschüre des Ortsvereins gedruckt.

Mai 2009

Der erste Band der Schriftenreihe des Ortsvereins BonnKöln der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft ist im Bernstein-Verlag erschienen. Darin ist unter anderem der Vortrag "Glaube und Sprache bei Thomas Mann" von Professor Dr. Hermann Kurzke nachzulesen.

Am 5. Mai findet das Erstes Treffen des Lesekreises „Frauengestalten im Werk von Thomas Mann" in der Buchhandlung Boettger, Maxilimilanstr. 44, 53111 Bonn. Gelesen und diskutiert werden „Der kleine Herr Friedemann", „Luischen" und „Gefallen".

Mit einem Vortrag von Professor Hans Rudolf Vaget zu "Politisch verdächtig, die Musik im Zauberberg" wird am 14. Mai die Vortragsreihe des Vereins fortgesetzt. In dem vollen Festsaal der Universität Bonn hat Professor Vaget das Zauberberg-Kapitel “Fülle des Wohllauts“ als ein typisches Beispiel für den Missbrauch des schönen Kunstliedes skizziert, welches “narkotisch“ oder wie ein “Opiat“ wirken kann – so ist nach Interpretation des Referenten die zugrundeliegende Idee des Zauberberg-Autors. Um die mögliche Stimmung zu veranschaulichen, wurde die Veranstaltung mit der Darbietung des “Lindenbaums“ eingeleitet (Klemens Roloff, Bariton aus dem Phil. Chor und Fabian Leinen, Klavier).

Mitreißend war am Ende der Vortragsveranstaltung auch, wie der Gast aus den USA die weitergehenden und bohrenden Fragen aus dem Publikum gelassen und in großer Kompetenz nahezu druckfertig beantwortete – auch mit der Folge, dass die "Nachsitzung“ im überfüllten "Ruland“ noch bis tief in die Nacht dauerte.

Das Vortragsmanuskript von Professor Hans Vaget ist als zweite Schrift des Ortsvereins im Bernstein-Verlag erschienen.

Juni 2009

Am 24. Juni findet das zweite Treffen des Lesekreises „Frauengestalten im Werk von Thomas Mann" in der Buchhandlung Boettger, Maxilimilanstr. 44, 53111 Bonn statt. Gelesen und diskutiert werden Gerächt", Der Bajazzo" und Tristan".

Juli 2009

Am 8. Juli spricht Prof. Dr. Helmut Koopmann zu „Faust reist an den Lido. Goethes Spuren in Thomas Manns Novelle Tod in Venedig“. Sein Vortragsmanuskript ist im dritten Band der Schriftenreihe des Ortsvereins im Bernstein-Verlag erschienen.

Oktober 2009

Am 27. Oktober spricht Dr. Uwe Naumann vom Rowohlt Verlag im Universitätsfestsaal zu „Klaus Mann. 1906 – 1949. Treffpunkt im Unendlichen“.

 

2010

Februar 2010

Am 2. Februar 2010 hat Frau Dr. Inge Jens auf Einladung der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, Ortsverein BonnKöln, im Universitätsclub Bonn wesentliche Passagen aus ihrer Autobiographie „Unvollständige Erinnerungen“ gelesen. Sie hat u.a. die Zeit, in der sie ihren Ehemann Walter kennen gelernt hat, die Begegnungen mit Katia und Golo Mann und ihre Erfahrungen bei der Erstellung der Tübinger Universitätschronik vorgestellt. Dabei hat Frau Jens jeweils diese Zeitabschnitte sehr persönlich eingeführt, zugleich aber auch nüchtern ihre Rolle als Editorin z.B. der Briefe Thomas Manns an den Bonner Dozenten Ernst Bertram und die der Tagebücher Thomas Manns reflektiert.

In dem der Lesung folgenden Gespräch erzählte Frau Jens, dass sie bei der Herausgabe der Geschwister Scholl-Briefe vor allem die Unterschiede zwischen den Geschwistern Scholl und ihr bewegt haben. Sie habe sich mehrfach selbst gefragt, warum die Studenten der Weißen Rose die Zeit des Nationalsozialismus so anders wahrgenommen haben. Vielleicht habe ihr Elternhaus habe keine vergleichbaren Verhältnisse für Leistungs- und Verantwortungsgefühl geboten, vielleicht sei die Schulbildung verantwortlich – vielleicht seien dies aber auch nur Ausreden.

Demgegenüber bejahte sie ausdrücklich die Nachfrage zum weiter notwendigen zivilen Ungehorsam, den sie in ihren „Erinnerungen“ mit der Aufnahme von zwei US-Soldaten, die sich dem Irak-Krieg entziehen wollten, und mit der Sitz-Blockade des amerikanischen Raketenstützpunktes Mutlangen ausführlich gewürdigt hatte. Frau Jens sagte akzentuiert, auch unsere heutige Demokratie braucht solchen „zivilen Ungehorsam“. Außerdem gab sie auf Nachfrage eine bewegende Skizze von den Umständen ihres Lebens in den vergangenen fünf Jahren, die von der Krankheit ihres Mannes Walter gekennzeichnet sind. Ungeachtet dessen würdigte Frau Jens die gemeinsame Arbeit an den drei Büchern zur Pringsheim-Familie, die an ihrem Textfluss nicht erkennen lassen, dass zwei in ihren Charakteren sehr verschiedene Persönlichkeiten daran gearbeitet haben.

Ein lang anhaltender Beifall des Publikums beschloss die faszinierende und natürliche Darstellung dieser Autorin, die heute selbst zur Zeitzeugin geworden ist. Wie sie im Nachhinein berichtete, plant sie – jetzt im Alter von 83 Jahren – noch verschiedene und anspruchsvolle Buchprojekte, aber auch eine Verfilmung, die sie selbst betreffen würde.

April 2010

Dr. Dirk Heisserer spricht im Universitätsclub Bonn zu der Beziehung zwischen Thomas Mann und dem Rheinland. Sein Vortragsmanuskript wird als sechster Band der Schriftenreihe des Ortsvereins Mitte 2011 im Bernstein-Verlag erscheinen.

Juni 2010

Prof. Dr. Friedhelm Marx spricht im Universitätsclub Bonn über "Familien in der Literatur. Thomas Manns "Buddenbrooks" und die Familienromane der Gegenwart". Sein Vortragsmanuskript wird Anfang 2011 in der Schriftenreihe des Ortsvereins im Bernstein-Verlag erscheinen.

Oktober 2010


In der Zeit vom 1. bis 3. 10. 2010 waren 14 Mitglieder des Ortsvereins BonnKöln der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft zu dieser Reise aufgebrochen, die im Detail von Frau Dr. Silke Hirschberg, Herrn Dr. Ulrich Zedler und Herrn Jürgen Haberland vorbereitet war; die An- und Abreise sowie Unterbringung wurden individuell organisiert. Herr Prof. Dr. Hans Büning-Pfaue übernahm die Moderation vor Ort.

Den gelungenen Auftakt bildete ein gemeinsames Abendessen in der durchaus gehobenen Atmosphäre des Restaurants Kronenhalle. Thomas Mann war hier am 24. 9. 1951 nach einer gefeierten Felix Krull-Lesung im Schauspielhaus eingekehrt. Sein Tagebuch verzeichnet hierzu „Fahrt zur Kronenhalle, wo an zwei Tischen vergnügte Nachfeier. Nahm eine Brühe mit Ei, etwas Emmenthaler, dunkles Bier und Kaffee."

Am Vormittag des 2. 10. 2010 erlebte die Gruppe im Kunsthaus eine ausgezeichnete Führung durch Prof. Dr. Tönnesmann (Zürich, früher Bonn). Schwerpunkte waren die Werke von Alberto Giacometti, Ferdinand Hodler und Heinrich Füssli. den Höhepunkt der Exkursion bildete am Nachmittag der Besuch des Thomas-Mann-Archivs der Eidgenössischen Technischen Hochschule in der Schönberggasse. Dr. Dr. Thomas Sprecher, Präsident der Schweizerischen Thomas-Mann-Gesellschaft, gab einen Überblick über die Geschichte des Bodmer-Hauses und erläuterte viele der Ausstellungsgegenstände. Zu sehen sind u. a. der Schreibtisch, der Thomas Mann aus der Poschingerstraße in München über Princeton, Pacific Palisades und Erlenbach bis nach Kilchberg begleitet hat, und die Tabakdose des Vaters, die in Buddenbrooks und Der Zauberberg erwähnt wird. Es gibt eine umfangreiche Sammlung von Büchern, mit denen Thomas Mann gearbeitet hat, die mit seinen Unterstreichungen versehen sind. In einem Raum findet sich ein Exemplar der Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm (2./3. Heft Juni/Juli1893), die von Thomas Mann unter dem Pseudonym Paul Thomas herausgegeben worden war. Detaillierte Angaben zum Frühlingssturm finden sich im 1. Band (S. 369) von Thomas Mann, Aufsätze, Reden, Essays, herausgegeben von Harry Matter, Aufbau Verlag, Berlin und Weimar, 1983.

Am Vormittag des 3. 10 2010 trafen sich die Teilnehmer bei strahlendem Sonnenschein auf dem Kirchhof in Kilchberg an den Gräbern von Thomas, Katja Erika, Monika, Elisabeth und Michael Mann sowie von Golo Mann. Auf dem Friedhof ist auch Gert Westphal bestattet. Ein Gang zum Conrad Ferdinand Meyer-Haus schloss sich an. Frau Dr. Lott, Kuratorin des Hauses, führte überaus sachkundig in das Leben und Werk von Conrad Ferdinand Meyer ein. Besonderes Interesse fand auch ein Zimmer mit Exponaten zum Leben der Familie Mann in Kilchberg. Das Treffen klang mit einer mittäglichen Einkehr im Restaurant Oberer Mönchshof in der Alten Landstraße aus.

Jürgen Haberland

 

Dezember 2010

Am 2. Dezember 2010 hat Prof. Dr. Dr. h.c Wimmer, Eichstätt, über „Die Ironie in Sünde und Gnade, Thomas Manns Roman Der Erwählte“ gesprochen. Zunächst gab der Vortragende einen einleitenden Überblick, in dem die Arbeitsweise von Thomas Mann charakterisiert wurde, bevor dieser um 1950 seinen vorletzten Roman Der Erwählte abschloss. Diese Nacherzählung der Gregorius-Legende hat der Thomas Mann oft selbst als verspieltes „Romänchen“  bezeichnet, er habe aber auch „mit reinem Ernste ihren religiösen Kern, ihr Christentum, die Idee von Sünde und Gnade“ gesehen.
Herr Wimmer hat anschließend den Inhalt dieses wenig bekannten Romans zusammengefasst. In Der Erwählte wird die Lebensgeschichte des heiligen Gregorius beschrieben, der als sündhaftes und später ausgesetztes Kind aus einer Geschwister-Beziehung in die Obhut eines Klosterabtes gelangt, um dort aufzuwachsen und seine Erziehung zu erhalten. Später kommt Gregorius als ritterlicher Fahrensmann an den Hof seiner Mutter. Beide entbrennen in Liebe zueinander. Für seine damit verdoppelte Sünde büßt Gregor unter absurden Verhältnissen 17 lange Jahre, bis die Botschaft kommt, Gott werde ihn als Papst einsetzen. Ironisch wird u.a. als Höhepunkt des Romans das Wiedertreffen von Sohn und Mutter in den Räumen des Vatikans skizziert; beide tauschen sich aus und schließlich steht die Feststellung im Raum, dass Gott selbst zu seiner Unterhaltung diese Geschichte habe geschehen lassen.
Ironie ist auch in diesem Roman kein Stilmittel. Bei ihr handelt sich eher um eine fundamentale Art, die das menschliche Miteinander in ihren Schwächen und Eitelkeiten so stilisiert, dass wir aus dem Lächeln kaum herauskommen. Zugleich wirkt die Ironie hier spektakulär, denn die dabei wiedererzählte Gregorius-Sage gewinnt trotz des zugrundeliegenden Skandals an Wärme und Wahrhaftigkeit.

 

2011

Februar 2011

Am 3.Februar wurde die attraktive Veranstaltungsreihe des Ortsvereins BonnKöln der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft e.V. mit einem Vortrag von Herrn Karsten Blöcker aus Lübeck eröffnet. Das Thema „Ach es ist so hart und traurig - aus dem Leben von Elisabeth Mann, dem Modell für Tony Buddenbrook" hatte zahlreiche Interessierte angelockt, so dass die Räumlichkeiten der Buchhandlung Böttger kaum ausreichten.

Herr Karsten Blöcker war Rechtsanwalt und Notar in Lübeck. Seit er entdeckte, dass es sich bei seinem Haus um „die kleine Villa vor dem Tor" handelte, welches die verwitwete Gerda Buddenbrook, bzw. der Vormund der verwitweten Julia Mann, erworben hatte, beschäftigt er sich intensiv mit den Geschicken der Familie – vor allem von Elisabeth Mann (alias Tony Buddenbrook) und von Friedrich Mann (alias) Christian Buddenbrook.

Elisabeth Mann heiratete in sehr jungen Jahren einen Hamburger Kaufmann, Ernst Elfeld, der Bankrott machte und dabei auch die erhebliche Mitgift seiner Frau verlor. Daraufhin trennte sie sich im Winter 1861/62 und kehrte in das Haus ihrer Eltern in der Mengstraße, das „Buddenbrookhaus“, zurück. Hier starb1864 die gemeinsame Tochter Olga Elfeld, im gleichen Jahr wurde die Scheidung ausgesprochen und Elisabeth zog – nein, nicht wie Tony nach München –nach Esslingen bei Stuttgart. Dort Elisabeth Gustav Haag kennen, der zusammen mit seinem Bruder eine Eisenwarenhandlung betrieb. „Die Familie Haag war in Esslingen sehr angesehen“, äußerte sich Julia Mann (Schwägerin von Elisabeth, Mutter von Thomas Mann), die sonst wenig gutes über Elisabeths neuerliche Partie zu sagen wusste. Man heiratete 1866, ein Jahr später kam die Tochter Elisabeth, genannt Alice, zur Welt. 1871 wurde noch ein Sohn geboren und zwar in Cannstatt, wo Gustav Haag inzwischen mit wenig Erfolg eine Weinhandlung betrieb. Anscheinend endete dieser Versuch ebenfalls in einem Bankrott. Feststeht, dass Gustav Haag zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde und Elisabeth Haag abermals die Scheidung einreichte. 1881 erging das Urteil zur Schuld des Ehemannes. So endete Elisabeths zweite Ehe und der Leser von Buddenbrooks kann die Parallelen und auch die Abweichungen zwischen dem Leben von Elisabeth und Tony feststellen.

Tochter Alice machte die gleichen traurigen Erfahrungen, die wir von Erika Grünlich, verheirateter Weinschenk, aus „Buddenbrooks“ kennen. Alices Ehemann, ein Herr Biermann, scheint das direkte Vorbild für Hugo Weinschenk und dessen Vergehen gewesen zu sein. Auch Alice reicht die Scheidung wegen böswilligen Verlassens ein, womit Mutter und Tochter wieder unter sich waren.

Elisabeth Haag verzieh ihrem inzwischen zu einiger Berühmtheit gelangten Neffen Thomas in späteren Jahren und wurde stolz darauf, für Tony Buddenbrook gehalten zu werden, der unbestritten die Sympathie ihres Schöpfers gehörte: "eine Auszeichnung die der weiblichen Zunft im Werk dieses Dichters nicht häufig widerfuhr".

Eva Fack

 

Am 15. Februar 2011 sprach Martin Gauger zu Golo Mann. Der Große Saal im UniversitätsClub war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Referent hat ausführlich und lange berichtet, wo und wie er mit Golo Mann zusammengetroffen sei und hat schließlich sehr fachkundig die Passage zum bekannten Mord aus dem „Wallenstein“ vorgelesen.
Anschließend traf sich das Publikum, vom UniversitätsClub eingeladen, zu Getränken und kleinem Imbiss in der Lobby des Clubs zum lockeren  und langen Meinungsaustausch.

 

März 2011
 

Am 20. März wurde bei Gesellschaft Schlaraffia Bonn e.V., deren Mitglied der Vereins-Vorsitzende ist, im Rahmen einer öffentlichen Matinee vor knapp hundert Gästen der Vortrag „Thomas Mann und Lübeck“ gehalten; 15 Bildern, die überwiegend als Kollagen gestaltet waren, machten den Inhalt zusätzlich anschaulich.

Idee des Vortrages war, die Zuhörer in diese bemerkenswerte Stadt mit Bildern von damals und heute einzuführen, sie bekannt zu machen mit ihrem Sohn Thomas Mann und seinem Roman Buddenbrooks.

Auf den Lübecker Bildern kann vielfach dem hanseatischen Lebensgefühl nachgespürt werden, auf das sich Thomas Mann stets gern bezogen hat. Außerdem waren auch Szenen aus den Buddenbrook-Verfilmungen eingemischt, um das Publikum richtig einzustimmen auf diese Reise nach Lübeck – eine Reise, die auch eine Einführung in die Grundlagen bei Thomas Mann war.

 Der Vortragende gestaltete seinen Vortrag mit vielen Zitaten über den Autor, über seine Familie und zugleich mit ausgewählten Kommentaren des Autors aus dessen Briefen und Vorträgen. Schließlich endete diese Präsentation mit den Schlussworten aus der Dankesrede zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft in Lübeck im Jahr 1955, in denen sich Thomas Mann auf seinen Vater und dessen Art bezogen hatte:

„Immer habe ich es bedauert, dass ich ihm zu Lebzeiten so wenig Hoffnung machen konnte, es möchte aus mir in der Welt noch irgendetwas Ansehnliches werden. Desto tiefer ist die Genugtuung, mit der es mich erfüllt, dass es mir heute gegönnt war, meiner Herkunft und dieser Stadt (…) doch noch etwas Ehre zu machen. Heute gibt das alte Lübeck mir in Gestalt des Dokuments, das ich hier halte, diese Ehre vor aller Welt feierlich zurück. Das ist ein großer Augenblick meines zur Rüste gehenden Lebens. Mein Herz ist voll Dank. Glück und Wohlfahrt unserer Stadt. Concordia domi, foris pax!”

Das Publikum, das sich zwischendurch mit einem leckeren Imbiss der Schlaraffen stärken konnte, applaudierte anhaltend.

Hans Büning-Pfaue (als Vortragender)

 

Mai 2011

 

Vom 1. Mai bis zum 1. Juni veranstaltete der Ortsverein BonnKöln in Zusammenarbeit mit dem REX-Kino eine sehr erfolgreiche Filmreihe zu Thomas Mann. Gezeigt wurden die „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, „Der Zauberberg“, „Lotte in Weimar“, „Doktor Faustus“ und „Tod in Venedig“. Außerdem ist in Vereinsarbeit eine Broschüre entstanden, in denen die jeweiligen Filme und ihre literarischen Vorlagen erläutert werden. Diese Broschüre ist weiterhin über den Verein zu beziehen.

 

 

Juni 2011

 

Am 16. 6. fand zunächst die feierliche Ausstellungs-Eröffnung der Bilder ("Verwerfungen") von unserem Vereinsmitglied Hans Lopatta statt; Herr Privatdozent Dr. Ralf Georg Czapla, Heidelberg, führte das Publikum im Großen Saal des UniversitätsClubs in den Werdegang des Malers ein, der etliche von unseren Referenten (u.a. Hans Vaget, Hermann Kurzke, Helmut Koopmann und Friedhelm Marx) portraitiert hat. Seine Ölbilder sprechen unmittelbar an, weil ihre stets durchstrukturierten Farbflächen in sicheren Gleichgewichten zueinander stehen und ahnen lassen, dass sie in einem sehr aufwändigen und klug kalkulierten Prozess entstanden sind. Es resultieren gekonnte Modulationen aus Licht und Schatten, welche die zugrundeliegenden thematische Gegenständlichkeit im Sinne reiner Bildstrukturen verwerfen, um den Betrachter zu eigenem Mitschwingen aufzufordern.

Eine Stunde später begann der Veranstaltung mit Herrn PD Dr. Dr. Thomas Sprecher, dem weithin bekannten Leiter des Thomas-Mann-Archivs an der ETH Zürich. Der Vortragende stellte den Band der Briefe Thomas Manns aus den Jahren 1923 bis 1932 vor, der im Herbst 2011 im S. Fischer Verlag erscheinen wird und die Wandlung des Autoren zum Demokraten beinhaltet. Herr Sprecher legte eindrucksvoll dar, wie Thomas Mann als überzeugter Demokrat agierte und keine Auseinandersetzung scheute, außerdem wies er u.a. daraufhin, dass der neue Band über 300 noch unbekannte Briefe des Autors enthält. Als Herausgeber veranschaulichte der Referent auch die tägliche Praxis des Briefschreibens des Autors, der stets diese Art der Meinungsäußerung als wesentlichen Teil seines Werkes angesehen hat.

Lang anhaltender Beifall und das gewohnt lockere und allseits beliebte Miteinander beim abschließenden Empfang des Clubs beschlossen einen denkwürdigen Abend, den Herr Prof. Dr. h.c. mult. Max Huber als Vorsitzender des UniversitätsClubs als eine besondere Perle im ClubVeranstaltungsProgramm vorab bezeichnet hatte.
 

 

Juli 2011

Am 6. Juli sprach Dr. Dieter Strauss über „Julia Mann, Einfluss und Art der starken Brasilianerin in der Schriftstellerfamilie Mann“ sprechen. Vom „Glück in den Tropen“ gelangte Julia ins „mittelalterliche Lübeck“ (Thomas Mann) und später in die „Bohème-Stadt“ München. Sie legte spezifische Grundlagen für das schriftstellerische Werk ihrer Söhne und blieb für ihre Familie bis zuletzt ein essentieller Ansprechpartner.

 

Am 23. Juli 2011  fand in den vertrauten Räumen der Buchhandlung Böttger das zweite Sommerfest des Ortsvereins Bonn/Köln der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft statt. Es haben rund 35 Gäste an dem Fest teilgenommen. Als Rahmenprogramm trug Luise Binger Musik- und Textbeispiele zu dem Thema „Wunschkonzert bei Thomas Mann“ vor. Grundlage war eine Sendung des Süddeutschen Rundfunks aus dem Jahre 1954, in der Thomas Mann seine Lieblingsmusik vorgestellt hatte. Zu hören waren Richard Wagners Vorspiel zum 1. Akt des Lohengrin, das Prélude à l´après-midi d´une faune von Claude Debussy sowie die Ouvertüre Leonore III von Ludwig van Beethoven. Die Musikbeispiele wurden jeweils ergänzt durch Lesungen aus Romanen von Thomas Mann. Außerdem hat Frau Binger noch eine Aufnahme von Franz Schuberts  Lindenbaum mit Thomas Quasthoff präsentiert, die damals in der Sendung nicht enthalten war. Dieses Tonbeispiel wurde besonders eindrucksvoll durch Lesungen aus den Abschnitten Fülle des Wohllauts und Der Donnerschlag aus dem Zauberberg untermalt.

In den Vortragspausen und am Ende kamen die Teilnehmer des Festes an einem reichhaltigen Buffet, das von den Teilnehmern arrangiert worden war,  miteinander ins Gespräch. Das Sommerfest war dank der überaus gelungenen Präsentation durch das Ehepaar Binger wieder einmal ein voller Erfolg.

 

September 2011

„Beschwörung der Musik mit dichterischer Sprache“ - so könnte man den Abend am 22. September 2011 in der Thomaskirche in Bonn-Röttgen beschreiben. Der Referent Andreas Arand beleuchtete das Musikverständnis Thomas Manns anhand der Nebenfigur des Edmund Pfühl und dessen musikalischem Credo in den Buddenbrooks. In einem Parforceritt durch die Musikgeschichte, untermalt von zahlreichen Musikbeispielen auf der Orgel und dem Klavier sowie von auf eine Leinwand projizierten Noten, erläuterte der Referent die Bedeutung der Kontrapunktik und stellte sie der Harmonik gegenüber, vor deren Folgen wie der „Emanzipation des Mißklangs“ Edmund Pfühl warnt. Wir befinden uns bekanntermaßen im Ausgang des 19. Jahrhunderts und im Zeitalter der „Neutöner“. Damit bereitete Andreas Arand die musikalische Standortbestimmung Pfühls vor. Pfühls musikalisches Credo ist nämlich ganz eindeutig die Kontrapunktik. Thomas Manns dichterische Feinheiten bestehen nun darin, dies in Metaphern auszudrücken. So lässt er Pfühl vom Krebsgang eines Fugenthemas schwärmen, damit die Rückwärtsgewandtheit Pfühls andeutend. Eine weitere Metapher ist die Orgel, die mit ihrem dauerhaften Klang für Unvergänglichkeit und Ewigkeit steht, während das Klavier mit seinen flüchtigen Tönen die Weltlichkeit verkörpert. Deshalb ist Pfühl Kirchenorganist und kein einfacher Klavierlehrer, und deshalb bekommt Hanno ein Harmonium und kein Klavier geschenkt. Hannos Musik allerdings ist die Harmonik. Dass die Warnungen Edmund Pfühls nicht ganz unberechtigt sind, zeigt die Schilderung von Hannos Klavierspiel, das in Zerfall und Auflösung endet.

 

Andreas Arand hat den Abend mit einem Orgelpräludium begonnen. Er schloss mit einer Bachschen Toccata, beides ganz im Sinne Edmund Pfühls, vielleicht weil Edmund Pfühls Credo auch sein eigenes ist?


Kongenial unterstützt wurde Andreas Arand von Christiane Sturm, die ausgesuchte Passagen aus dem Roman Buddenbrooks, vor allem die eben erwähnte Szene mit Hannos Klavierspiel, mit sehr viel Ausdruck vorlas und mit dazu beitrug, dass der Abend zu einer musikalischen und literarischen Bereicherung wurde, so wie es nur mit und über Thomas Mann möglich ist.

Luise Binger

 

Oktober 2011

Sicher war dem „naiven“ Leser von Thomas Manns Roman „Joseph und seine Brüder“ schon vor dem Besuch der Ausstellung „Ägyptische Gärten“ im Kölner Römisch-Germanischen Museum klar, dass sie für seine Lektüre und Interpretation hilfreich sein würde. Wie profitabel der Besuch aber tatsächlich sein würde, erfuhr er durch die Führung von Frau Dr. Ursula Erichsen am 6. Oktober, deren literarisch und kunsthistorisch geschulter Blick ihm über Allgemeines und Geahntes hinaus neue Einsichten erschloss und anhand der Exponate in Verbindung mit adäquaten und klar umrissenen Textstellen aufzeigen konnte, wie Thomas Mann in genialer Intuition heute wissenschaftlich erhärtete Fakten mit seiner Fiktion und seiner moralisch-philosophischen Intention literarisch verbunden hat und verbinden konnte. Thomas Manns an sich schon liebevoll ausgemalte Beschreibungen von den Orten der Handlung, der konkreten Lokalität, erhielten durch die von Frau Dr. Erichsen sinnvoll ausgewählten Exponate Konkretheit, eine „Unterfütterung“, die die Beschäftigung mit dem Roman erweitern und noch vergnüglicher gestalten kann.

Vergnüglich gestaltete sich auf jeden Fall das gesellige Beisammensein im Anschluss an die Führung. Der Vorsitzende verwies auf geplante Veranstaltungen, so z.B. mit John von Düffel und Jan Assmann.

Dr. Renate Menge

 

November 2011

Rückblick: Die Pietà Roettgen als Vorbild für Naphtas Pietà im „Zauberberg“ - Vortrag am 17. November 2011 im LVR-Museum

In der germanistischen Forschung unbestritten ist die seit 1912 im LVR-Museum Bonn (früher: Rheinisches Landesmuseum) befindliche gotische Pietà aus dem Nachlass des Sammlers Carl Roettgen das Vorbild für das im Besitz des Jesuiten Naphta befindliche Kunstwerk, von dem im „Zauberberg“ die Rede ist. Die Pietà war seit der „Großen kunsthistorischen Ausstellung“ (1902) in Düsseldorf der Öffentlichkeit bekannt, die Kunstwissenschaft wurde auf sie aufmerksam und es gab in der Folgezeit eine kontroverse Fachdiskussion über ihren künstlerischen Wert.


Wie Thomas Mann auf die Pietà und die wissenschaftliche Kontroverse um sie aufmerksam wurde, ist bisher nicht geklärt, allerdings muss er eine Abbildung gekannt haben, nur so ist die minuziös-tendenziöse Beschreibung des Werks durch den Erzähler im Kapitel „Vom Gottesstaat und von übler Erlösung“ zu erklären.


Die Referentin analysierte den entsprechenden Abschnitt, wobei sie aufzeigte, dass sich in den Kommentaren Naphtas, Settembrinis, des Erzählers und Hans Castorps zu dem Werk verschiedene Facetten einer Debatte der Kunstwissenschaft über ästhetische Wertungen zur Entstehungszeit des Romans spiegeln. Verwiesen wurde auf die damals bahnbrechenden Neuerungen des Expressionismus, in deren Gefolge eine Aufwertung der „primitiven“ Gotik durch die Künstler, aber auch durch die Kunstwissenschaft erfolgte. Vor diesem Hintergrund ist der Dialog der Romanfiguren über das Kunstwerk nicht nur Teil der Romanhandlung, sondern auch von wissenschaftsgeschichtlicher Bedeutung: Einer ablehnenden, bildungsbürgerlich normativen Position, die sich Antike und Klassizismus verpflichtet sieht, vorgetragen vom Erzähler und Settembrini, stehen die „moderne“, den expressiven Ausdruck des Kunstwerks verherrlichende Position Naphtas und die naiv-ganzheitlich fühlende Ergriffenheit Hans Castorps gegenüber.

Es konnte gezeigt werden, dass alle hier vorgetragenen Positionen Reflexe kontroverser kunstwissenschaftlicher Positionen der Pietà Roettgen gegenüber sind, die ihre Präsentation 1902 ausgelöst hatte.

Dr. Eva de Voss  

 

Am 20. Oktober 2011 sprach Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Gunter Wenz, Uni-München, zu dem "protestantischen Ideenprofil im Werk von Thomas Mann". Er vertritt mit seinem Lehrstuhl die Systematische Theologie innerhalb des Institutes Fundamentaltheologie und Ökumene und ist zugleich ein ausgezeichneter Thomas Mann-Kenner.

Das gestellte Thema stellt er mit großer Kompetenz vor, wobei zu beachten ist, dass sich Thomas Mann stets irgendeiner konfessioneller Zuordnung entzogen hat, selbst wenn er sich später den Ideen der Unitarischen Kirche näherte.

Persönlich gibt es etliche innere Widersprüche beim Autor Thomas Mann, aber aus seinem Werk lässt sich ein klares protestantisches Profil ableiten. Diese Aussage gilt, obwohl der Autor bei seiner Papst-Audienz 1953 ohne Zögern und im hohen Maße bewegt den ihm gereichten Fischer-Ring geküsst hat. Darüber hinaus ist bekannt, dass Thomas Mann die traditionellen Formen katholisch gelebter Frömmigkeit hochgeschätzt hat und die dort gegebene Geborgenheit des Christenmenschen neidvoll für sich bewunderte.

Ungeachtet dessen haben wir gehört, welche Text-Zitate aus den Buddenbrooks, aus dem Zauberberg und aus dem Doktor Faustus, eine „protestantische Gottesunmittelbarkeit“ des Autors und seiner Protagonisten belegen, obwohl Thomas Mann für sich vielfach einen religiösen Humanismus beanspruchte und sein Christsein als ein persönliches Ingrediens charakterisiert hat. Warum bei ihm dennoch „protestantisch“ gedacht wird, stellt der Referent vor, unabhängig davon, dass „Gott“ im Werk von Thomas Mann vielfach nur in Bildern und Analogien erkennbar wird und Gott als eine Art Künstler erscheint, der das ganze Weltgeschehen voller Liebe und Mitleid betrachtet.

So führte uns Herr Prof. Wenz in einer glasklare Strukturierung durch eine Vielzahl der mann`schen Romangestalten und lässt z.B. Tony Buddenbrook mit dem Schöpfungsartikel des Lutherischen Katechismus beginnen, um ihr dann am schlimmen Ende sagen zu lassen, dass Hoffnung nicht zuschanden werden lässt. Berichtet wurde, welcher Traum-Vers des Hans Castorp ein zentrales protestantisches Hauptstück bedeutet und zugleich die Überzeugung des Autors widerspiegelt. Und wie die im Kontakt zu Paul Tillich von dort übernommene „Transzendenz der Gnade“ im Doktor Faustus spürbar wird.

Prof. Dr. Hans Büning-Pfaue

Ortsverein BonnKöln der Deutschen Thomas Mann Gesellschaft
info@thomasmann-bonnkoeln.de