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Rückblick: Manfred Dierks (Oldenburg/Riegel): Thomas Manns Geisterbaron. Vortrag und Lesung
Um die Jahreswende 1922/23 war Thomas Mann mehrmals Teilnehmer an okkultistischen Séancen bei dem Münchener Hypnosearzt Dr. Albert von Schrenck-Notzing. Dessen Medien erzeugten den konkreten Eindruck, sie würden mit psychischer Energie menschliche Gliedmaßen produzieren. Thomas Mann sah im Rotlicht einen schwebenden Unterarm und hatte an solchen Phänomenen auch „nicht den Schatten eines Zweifels“. Der Okkultismus jener Jahre war mehr als plumper Betrug – er verstand sich als Protest gegen die positivistische Moderne und nutzte Argumente aus der Biologie und der Lebensphilosophie. Die wissenschaftliche Laufbahn Schrencks legt dafür Zeugnis ab. Er begann fortschrittlich als Psychotherapeut und Sexualwissenschaftler mit dem Schwerpunkt auf sexuellen Varietäten, insbesondere der Homosexualität. Aus den psychosomatischen Vorgängen bei der Suggestionstherapie – Geistiges setzt sich hier in Körperliches um – zog Schrenck dann Folgerungen, die ihn geradewegs in den Okkultismus führten. Thomas Mann verdankt den Beobachtungen bei Schrenck das Spiritismus-Kapitel im „Zauberberg“ und – in der inflationsgebeutelten Nachkriegszeit – einen der erfolgreichsten öffentlichen Vorträge seines Lebens: „Okkulte Erlebnisse“
Die Schrenck-Notzing-Biografie von Manfred Dierks: THOMAS MANNS GEISTERBARON geht diesen oft unwahrscheinlichen Zusammenhängen nach. (Erscheint April 2012 im Psychosozial-Verlag)
Manfred Dierks ist Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Oldenburg i. R. und Schriftsteller. Er war Vizepräsident der deutschen Thomas Mann-Gesellschaft und Jury-Mitglied mehrerer Literaturpreise.
Rückblick Hans R. Vaget: „Agnes Meyer. Ihre Spuren in Thomas Manns Leben und Werk"
Am 19. Januar sprach Prof. Dr. Hans Rudolf Vaget, Northhampton, im Universitätsclub Bonn über „Agnes Meyer. Ihre Spuren in Thomas Manns Leben und Werk“. Bereits in seinem Buch „Thomas Mann, der Amerikaner“ (2011, S. Fischer Verlag) hat Professor Vaget in einem eindrucksvollen Abschnitt den umfangreichen Schriftwechsel Thomas Manns mit seiner wichtigen und einflussreichen Förderin in den USA analysiert. Dabei hat er unter anderem dargelegt, dass sich Agnes Meyer in der Rolle der biblischen Thamar in den „Josephs“-Romane wiederfindet – jener Thamar, die sich unbedingt in die Gottesgeschichte einbringen wollte. Und dieses Porträt wurde von Agnes Meyer auch nicht abgestritten.
Für die Edition des Briefwechsels zwischen Thomas Mann und Agnes Meyers hat Hans R. Vaget die Thomas-Mann-Medaille erhalten.
Eine Veranstaltung des Ortsverein BonnKöln der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Universitätsclub Bonn und der Buchhandlung Böttger, Bonn.
Die nächste Veranstaltung
Reise nach Berlin vom 6. bis zum 7. April 2012
Besuch des Theaterstücks "Josef und seine Brüder" am 6. April (Karfreitag, ab 19.00 Uhr), Deutsches Theater Berlin, am Spätnachmittag: Für die Vereins-Gruppe persönliche Einführung durch den Dramaturgen John von Düffel, Kartenkontingent ist reserviert.
Am darauffolgenden Tag, den 7. April: Vereins-Führung im Neuen Museum, Museums-Insel, durch die Armarna-Kunst (Ausgrabungsstücke, die Thomas-Mann zu den Josefs-Romanen wesentlich inspirierten); Leitung und Durchführung: Prof. Dr. H. Büning-Pfaue.
Anmeldungen bitte per E-mail an buening@uni-bonn.de; Voraussichtliche Planung: Individuelle Anreise und individuelle Quartier-Besorgung.
Informationen über weitere Aktivitäten des Ortsvereins erhalten Sie auch in unserem Flyer, der im Februar gedruckt wird. Vereinsmitglieder erhalten den neuen Flyer per Post, außerdem wird er hier zum Download angeboten werden.
Aktuell ist der 4. Band unserer Schriftenreihe mit dem erweiterten Vortrag von Heinrich Detering: "Königliche Hoheit, der Märchenroman Thomas Manns" erschienen. Alle bisherigen Bände können bei der Buchhandlung Böttger für 6 Euro erworben werden. Ein Verzeichnis aller bisherigen Bände finden Sie hier.